Panamakanal Tag 2

Dienstag, 31. Januar 2017

Die Nacht im Päckchen an der Boje ist ruhig. Keine Bewegung im Schiff bis morgens die Wellen des Lotsenbootes alles zum Schaukeln bringen. Um 0630 steigen die Advisors zu und sofort werden die Leinen gelöst und die ganze Gruppe motort über den See. Unser Franko ordnet zunächst full power an, also fahren wir mit 8,3 kn. Im weiteren Verlauf wird die Geschwindigkeit reduziert, immer in dem Bemühen, an den neuralgischen Punkten nicht zu lange warten zu müssen, bis der dicke Gegenverkehr passiert hat.

Auch dieser Advisor ist problemlos und freundlich. Lediglich die Benutzung der Bordtoilette gestaltet sich, wie auch schon gestern, wieder schwierig. Stehpinkeln an Bord in der Enge ist ein No-Go! Tun sie aber alle! Und die Spülung bedienen sie auch nicht richtig! Leider muss man jedes Mal hinterher spülen und die Wand abwischen!

Noch ein Wort zu den blauen Leinen: wir haben nachgemessen, sie sind nicht, wie Mark im Briefing sagte, 14 mm sondern 22 mm dick, und schrecklich steif und unhandlich!

40 SM geht es durch den Kanal bzw durch den Gatun See. Das Wasser ist braun-grün und trüb, es ist Süßwasser, gut für Schiff und Maschine! Der undurchdringliche Urwald reicht bis an die Ufer, die einzigen Zeichen der Zivilisation sind gelegentlich gerodete Flächen auf denen Seezeichen stehen. Wir passieren viele kleine Inseln, hören die Affen brüllen und sehen ein kleines Krokodil am Ufer liegen. Je weiter wir in Richtung Panama City kommen, desto lichter werden die Ufer. Ein langer Güterzug fährt eine Weile parallel zum Ufer.
Gegen 1230 erreichen wir die erste Schleuse, die Pedro Miguel. AURORA hat ein Motorproblem, die Kühlmittelpumpe ist ausgefallen. So gibt es wieder mal eine Planänderung: ASHIA übernimmt als mittleres Boot die Führung, ARABELA wird an BB und AURORA an StB bei uns festgemacht. Als viertes Päckchen fahren wir in die Schleuse. Diesmal sind wir oben, das Übernehmen der Affenfaust mit der Hilfsleine ist leichter. Langsam und ohne Turbulenzen geht es abwärts. Die Line-Hander an Bord müssen nur beständig kontrolliert die Leinen fieren. Von der Pedro Miguel zur Miraflores bleiben die Päckchen verbunden. Mit 3 kn schleppt ASHIA ihren Anhang mit.
Nochmal zwei Schleusenkammern, von zuhause kommt die Meldung, dass man uns in der WebCam sehen kann, wir winken, dann öffnet sich das riesige Tor und die ganze Flotte fährt mit Hupen raus in pazifisches Wasser. Es geht unter der gewaltigen Puente de las Americas, der Brücke, die die beiden Amerikas verbindet, hindurch und dann ist links die unglaubliche Skyline von Panama City zu sehen.
Die Päckchen trennen sich und jeder motort die letzen Meilen bis zur La Playita Marina. So wie zuhause die Möwen die Fischerboote umschwärmen tun es hier die Pelikane. Nur fliegen sie nicht mit so viel Geschrei. Und Hektik. Aber sie stürzen sich senkrecht mit dem spitzen Schnabel voraus ins Wasser und kommen mit der Beute wieder hoch.
AURORA bleibt mit ASHIA verbunden, Ken möchte seinen Motor nicht überhitzen. Diese Art des seitlichen Schleppens ist nicht unproblematisch. Wenn Wellen durch vorbeifahrende Boote kommen reibt der Verband heftig aneinander und Wasser spritzt zwischen den Rümpfen hoch. So kommt es, dass ASHIA ihre Taufe mit Pazifikwasser gleich erhält: durch die offene Salonluke spritzt es gehörig runter auf Tisch und Polster. Natürlich liegt Nicoles PC auf dem Tisch! Aber er überlebt.

Kurz vor dem Hafen lösen wir dann die Leinen. Später sehen wir, dass das gar nicht nötig gewesen wäre. Mark, über Kanal 72 schon informiert, hat für unseren Verbund einen großen doppelten Liegeplatz genau gegenüber der Einfahrt reserviert, in den wir problemlos einfach vorwärts als Päckchen hätten rein fahren können. Den brauchen wir dann allerdings auch, denn mitten in der Hafeneinfahrt gibt unser Getriebe fürchterliche Geräusche von sich, da reibt Metall auf Metall! Wir fahren ohne große Wendemanöver vorwärts in die Box. Kurz darauf kommt auch AURORA neben uns.
Sofort müssen die langen Leinen und Fender zum Parkplatz gebracht werden, sie sollen schnellstens in die Shelter Bay gefahren werden für die zweite Gruppe der World ARC, die morgen ihre Kanalfahrt startet. Um 1700 gibt es ein Treffen aller vor dem Mini Markt mit Getränkegutscheinen, wir feiern die Ankunft im Pazifik.

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