Tage 7 – 10 auf See

Tag 7 auf See, Frühstück mit Hindernissen Dienstag, 7.März 2017 Als der Liebe Gott den Menschen erschaffen hat, konnte er sich wohl nicht vorstellen, dass der mal Segler werden würde! Sonst hätte er ihm bestimmt zwei oder drei Paar Arme und Hände gegeben. Dafür würden wir auch gerne auf diese fünften kleinen Zehen verzichten! Die sind eh ständig blau und schmerzen, weil sie ihre Aufgabe, Möbel im Dunklen zu finden, mal wieder zu genau genommen haben. Heute haben wir zum Frühstück Appetit auf Toast mit Butter und Marmelade. Solange der Generator läuft, um die Batterien zu laden, können wir den Toaster betreiben. Problem ist nur, ASHIA torkelt in Dünung und Welle wieder mal von rechts nach links und zurück. Um den Aufwand gering zu halten, wollen wir stehend in der Pantry essen. Der Toaster steht zwar auf einer Anti-Rutsch-Matte, fällt aber trotzdem zweimal ins Waschbecken. Also eine Hand für den Toaster! Die zweite Hand hält dann den fertigen Toast auf dem Teller. In der dritten? ist das Messer, die vierte? hindert Butter, Marmelade und Nutella am Abgang und mit der fünften? Hand? hält man sich fest? Irgendwie geht es auch mit zwei Händen, und gut hat es geschmeckt!
Tag 8 auf See, Bordroutine Mittwoch, 8. März 2017 Inzwischen hat sich das Leben an Bord eingespielt, wir haben unseren Rhythmus gefunden. Der Tag beginnt um 0800 mit dem Ende der letzten Nachtwache und dem ersten Funkkontakt zu SHAMAL, die inzwischen gut 15 NM südlich von uns segelt. Um 0900 erfolgt dann der morgendliche roll-call der World ARC. Ein beim Briefing ernannter, täglich wechselnder Net-Controller ruft auf festgelegter KW-Frequenz alle Yachten in alphabetischer Reihenfolge auf und es werden die aktuelle Position, Windstärke und Windrichtung sowie die Motorstunden der letzten 24 Stunden durchgegeben. Anschließend ist Gelegenheit, aufgetretene Probleme und Ausfälle zu schildern und sich von der Flotte Tipps und Hilfe geben zu lassen. Frühstück, ein bisschen „Hausarbeit“, so vergeht der Vormittag. Um 1200 notieren wir unsere aktuelle Position und die gesegelten Meilen und errechnen unser Etmal. Es liegt z. Zt. immer um 200 NM in 24 Stunden. Funkkontakt mit SHAMAL erfolgt wieder um 1300 und 1700. Wir vergleichen Geschwindigkeiten und Segelführung und besprechen die Route anhand der neuesten Wetterdaten. Um 1800 ist wieder der roll-call, diesmal ohne Positionsangabe, es geht um small-talk. Ist alles okay an Bord, wer hat wie viele Fische gefangen, wer hat Geburtstag und immer wieder um Ausfälle irgendwelcher Art. Bisher konnten aber alle Boote, auch dank der mündlichen Unterstützung durch die World ARC Family, ihre Probleme irgendwie lösen. Abendessen, Abwasch und schon geht die Sonne unter und um 2000 beginnt die erste Nachtwache. Im Dreistundenrhythmus wachen wir abwechselnd. Inzwischen ist die Wetterlage stabiler, Segelwechsel beschäftigen uns nicht mehr den ganzen Tag, in der Regel passen wir morgens und abends die Segelgarderobe an. Wenn das Wasser nicht allzu unruhig ist, werden die Blogbeiträge geschrieben. Es macht Spass, ist aber nicht immer ganz einfach. Unten im Salon am Tisch schaukelt es meist arg, ist aber durch den Zug der offenen Decksluke schön kühl. Im Cockpit mit einem Kissen auf dem Schoß ist auch möglich. Die beste Variante ist am Stehpult. Stehend im Niedergang mit dem PC auf dem halb geschlossenen Schiebeluk kann man sich am besten verkeilen. Mit dem Hochladen der Beiträge haben wir momentan Probleme. Das Datenvolumen über Satellit ist für März schon fast aufgebraucht, weil Windows sich „heimlich“ Updates geholt hat, und über KW und Pactor geht gerade auch nichts. Wir werden es weiter versuchen. Aber wenn es dann klappt, so freuen wir uns über jeden Kommentar, auch wenn wir ihn erst auf den Marquesas wieder lesen können.
Tag 9 auf See, Finde die Boje! Donnerstag, 9.März 2017 Die vergangene Nacht ist wieder eine von den stressigen gewesen! Der Wind nimmt zu bis auf 23 kn in Böen. Da er nicht genau aus Ost kommt, sondern immer weiter südlich dreht, können wir unseren Kurs von 260° nicht halten mit dem Amel-System. So rutschen wir während der Nacht von unterhalb des 10. Breitengrads wieder hoch auf den 9.! Natürlich nimmt die Welle zu und mit Sonnenuntergang beginnt ASHIA ihren Rock`n Roll! Schlafen wird schwierig dabei. Zu allem Überfluss kommt mit dem abendlichen roll-call eine Warnung des WCC: eine große gelbe Wetterboje befindet sich in der Region. Sie sei unbeleuchtet, ohne AIS-Signal und in den elektronischen Seekarten nicht verzeichnet. Ihre letzte bekannte Position————liegt genau auf unserer Route! Und wann erreichen wir diese Region? Nicht etwa in der Zeit, solange der Mond die Umgebung erhellt, sondern genau während der Stunde schwarzer Nacht zwischen Monduntergang und Einsetzen der Morgendämmerung! Aber wir sehen nichts, auch das Radar zeigt nichts an.
Tag 10 auf See, Bergfest 10. März 2017 Warum? Warum sind die Tage relativ ruhig und kaum wird es dunkel geht der Tanz los? Wieder geht die Windgeschwindigkeit mit Einsetzen der Dämmerung hoch, erreicht wieder 23 kn, zuviel für das leichte Tuch von Genaker und Besan-Ballooner. Da es aber bei einzelnen Spitzen von 23 bis 25 kn bleibt, fahren wir weiter unter dieser Beseglung. Nieselregen lässt uns das Regenschott im Cockpit einziehen, so bleibt der Steuerstand trocken. Und es verhindert, dass mitten in der Nacht ein großer Fliegender Fisch Nicole direkt ins Genick fliegt. So prallt er hinter ihr am Schott ab und bleibt auf der Cockpitbank liegen. Nicole kann den zappelnden Burschen greifen und zurück ins Wasser befördern. Die Flossen/Flügel sind ganz schön hart. Zum Wachwechsel um 0500 ist es dann doch soweit, die Bunten müssen runter. Natürlich genau in der Zeit zwischen Monduntergang und Morgendämmerung turnen wir auf dem Vorschiff! Also Balloner bergen, Genaker einrollen und die Wurst in der Segellast vorne verstauen, Pols ausbaumen und das Amel-System ausrollen, dann Aufräumen und Duschen. Nach einer Stunde geht Nicole in die Koje und Armin belohnt sich mit einer Schüssel Corn Flakes. Bei der 1200-Position stellen wir fest, dass die gesegelte Strecke inzwischen größer ist als die noch verbleibende. Das ist uns einen Piccolo, gestreckt mit O-Saft, wert. Nachmittags dreht der Wind und der mühsam erreichte 10. Breitengrad geht wieder verloren. Ein Squall mit Regen treibt uns nördlich. Inzwischen befinden wir uns aber wieder auf Kurs West.
Nicole und Armin SY ASHIA, SM2k, #357

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