Suwarrow

Sonntag, 21. Mai 2017
Obwohl wir endlich den perfekten Segelwind haben, 15 bis 20 kn von achtern, müssen wir bremsen. Samstagabend nehmen wir das Amelsystem weg. Eigentlich sollte der Ballooner, nachdem die „Maus“ im Top gelöst ist, langsam in der Nut des Vorstags runter zu ziehen sein. Warum das Segel diesmal in einem Rutsch ungebremst eigenständig nach unten saust und Baden geht, weiß wohl nur unser kleiner Klabautermann! Lediglich noch am Unter- und Achterliek fixiert, treibt es StB neben uns her. Es gelingt das bunte Tuch ohne Schaden wieder an Bord zu ziehen. Während Armin sich nach dieser Aktion, bei der er zum Glück nur die Badehose trägt, mit einer Dusche vom Salz befreien kann, muss das Segel so nass und versalzen in der Segellast verstaut werden. Weiter geht es nur mit der ausgebaumten Genua durch die Nacht. Um die Ankunftszeit in die Morgendämmerung zu verschieben, reduzieren wir die Segelfläche immer weiter. Die letzten zwei Stunden rollen wir das Vorsegel ganz ein. Nur vor Top und Takel laufen wir immer noch mit 2,5 bis 3 kn. Genau zum Sonnenaufgang, um 0705, überqueren wir dann mit einem dreifach gerefften Vorsegel die Ziellinie vor Suwarrow. SHAMAL folgt Minuten später. Sie waren schon gestern Abend 10 NM vor der Ziellinie, haben dann beigedreht und sind die Nacht über mit 1 kn gedriftet. Sie und TAISTEALAI, die ersten unserer Gruppe, wollen als Ankunftszeit ihr ETA angeben, d. h. die Zeit, zu der sie 10 NM vor dem Ziel waren, plus die geschätzte Zeit, die sie noch für die restlichen Meilen benötigen würden. Ob die Rallyleitung das akzeptieren wird? Am Atoll entlang motoren wir zum Pass. In der Einfahrt stehen uns 2 kn Strom entgegen, aber keine Welle. Sauber der Seekarte folgend und das Wasser beobachtend, Betonnung gibt es keine, umrunden wir die Korallenbänke und ankern kurz darauf im Feld der Flotte. Wir waren 4 Tage 16 Stunden unterwegs, ohne bremsen zu müssen, wären wir um neun Stunden schneller gewesen. Es ist eine fragliche Aktion, eine Wettfahrt auf Zeit zu einem Ziel zu machen, welches nur bei Tageslicht angelaufen werden kann und die, die zur Nachtzeit ankommen würden, somit zum Bremsen gezwungen werden, da es hinter der Linie keine Möglichkeit zum „Parken“ gibt, um auf Tageslicht zu warten.
Suwarrow, ein Atoll mitten im Nirgendwo, im Umkreis von 500 NM ist nur Wasser! Es ist ein Naturschutzgebiet und die Erlaubnis zum Aufenthalt erteilt der Parkwächter, der angeblich von April bis Oktober auf Anchorage Island, der größten Insel, vor der wir alle ankern, lebt. WCC muss die Genehmigung von sonst wo erhalten haben, ein Parkwächter ist jedenfalls nicht da! Die Unterkunft mitten auf der Insel ist völlig verwahrlost, verdreckt und sicher schon länger unbewohnt. Es schaut auch nicht so aus, als ob man sich bei diesem Job überarbeiten müsste. Die Insel ist voller Hängematten, alle 5 bis 10 Meter eine! Allerdings keine ganz ungefährlichen Ruheplätze, da die Kokospalmen überall gerade und schräg durcheinander wachsen und man nie sicher sein kann, dass nicht doch mal eine Kokosnuss fällt. Vor der Inseltour kommt allerdings die Arbeit! Gestern Abend streikte auch der Wassermacher wegen fehlendem Wasserzulauf. Wieder werden alle Seewasserschläuche durchgespült, durchgeblasen und sondiert, alle sind sauber und frei. Wir wechseln den Vorfilter noch mal aus, obwohl der alte noch gar nicht lange in Benutzung ist und sauber aussieht. Aber danach funktioniert alles. Generator und Wassermacher versehen ihren Dienst perfekt. Hoffentlich auf Dauer! Nebenbefundlich entdeckt Armin Wasser im Öl des Amel-Antriebs. Wir leeren das Ausgleichsgefäß und füllen frisches Öl ein. Aber ASHIA muss jetzt definitiv bei nächster Gelegenheit, das wird Fidschi sein, aus dem Wasser, um einen Ölwechsel und den Wechsel der Dichtungen des Amel-Antriebs vorzunehmen. Außerdem muss das Antifouling des Unterwasserschiffs erneuert werden. Mittags ist ein „Pott Luck“ am Dingi Dock angesagt. Dazu bringt jeder zu essen und zu trinken mit, was die Pantry so hergibt. Von Chips über diverse Nudelsalate bis Fleischküchle ist alles vertreten. Sergej von ARABELA ist heute Opa geworden. Das muss natürlich gefeiert werden! Und wie feiern Russen? Mit Schwarzbrot, Sprotten und Wodka, und das reichlich! Edwin von ZEELAND erweist sich als Profi im Öffnen von Kokosnüssen, die hier überall rumliegen. Indem die Nuss auf einen zugespitzen Eisenstab geschlagen wird, spaltet man die Fasern ab. Dann kommt die Machete zum Einsatz. Damit das Kokosfleisch am Ende auch sauber ist, die Machete ist rostig, wird es mit Gin abgewaschen! Überall am Boden findet man die roten Einsiedlerkrebse . Die Kleinsten sind nur ein paar Zentimeter groß, die Größten erreichen Faustgröße. Sie alle schleppen ihre diversen Muschel- oder Schneckenhäuser, in denen beim Laufen ihr Hinterleib steckt und in die sie sich komplett zurückziehen können, mit sich herum. Die Männer markieren eine Laufstrecke durch Kokosnüsse, suchen sich jeder eine Krabbe und dann wird ein Crabrace veranstaltet. Unglaublich, wie schnell die Viehcher rennen können! Nach all den guten Sachen mittags hat niemand mehr Hunger auf Abendessen. So treffen wir uns mit SHAMAL und AURORA POLARIS nur noch zu einem Drink bei uns an Bord. Dass allerdings hauptsächlich Wasser getrunken wird, mag wohl am Wodka liegen!

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