Schneekugel statt Knutschkugel

Mittwoch, 1. November 2017
Nach dem Frühstück starten wir mit der Knutschkugel Richtung Süden. Wir wollen noch mal in die Vulkanberge dort. Bei St. Paul fahren wir zum Tanken. Kaum zurück auf der Autobahn beginnt ein fürchterliches Scheppern und Schleifen unter dem Auto. Wir halten auf dem Seitenstreifen, Armin schaut unters Auto: ein Teil des Bodenblechs hängt runter! Wir sind aber über nichts drüber gefahren, da muss der Wind dran Schuld sein. 120 kmh und eine Böe an der Küste sind wohl zuviel gewesen. Langsam fahren wir zur nächsten Tankstelle und rufen den Kundendienst an. Nach zwei Stunden endlich kommen zwei Männer, bringen uns einen schneeweißen Ford Fiesta und fahren mit dem Orangebraunen weg, mit hängendem Blech.
Bei St. Pierre biegt die Strasse ab hinauf in die Berge. Leider ist es inzwischen schon Mittag und die Wolken sind aufgezogen, so dass die Sicht eingeschränkt ist. So biegen wir auf dem Plateau nicht zu den Vulkanen ab sondern fahren weiter quer über die Insel Richtung St. Benoit an der Ostküste. Wir passieren kleine kreolische Dörfer mit schmucken Häuschen, überall blühen Büsche und Blumen. Die Serpentienen zu zählen ist sinnlos, die Strasse windet sich bergauf und bergab an den steilen Kraterhängen. Der Wind, der an der Küste heftig blies, ist oben fast weg, so dass Armin die Drohne steigen lässt. Kaum ist sie in der Luft, ziehen Wolken auf und die Sicht ins Tal ist versperrt. Thomas ruft an, sie sind an der Westküste, ob wir uns irgendwo zum Kaffetrinken treffen. Wir verabreden uns auf halber Strecke in St. Joseph. Auf dem Weg dorthin passieren wir die Abhänge des Piton de la Fournaise, wo bei den Ausbrüchen des Vulkans die Lava ins Meer fließt. Die Natur erobert sich ihre Flächen unerbittlich wieder zurück. Man sieht genau, wie lange der Lavastrom schon erkaltet ist. Während im Bereich des Ausbruchs vom Juli 2017 erst ganz vereinzelt zartes Grün sprießt, sind die älteren Gebiete mehr und mehr bewachsen. Die Küstenstrasse wird mit jedem Ausbruch verschüttet und muss neu geschoben und asphaltiert werden.
St. Joseph erweist sich als Reinfall, alle Lokale sind geschlossen, und das heute am Feiertag? Wir fahren weiter bis St. Paul, wo wir ein nettes Restaurant am Strand finden. Zwar gibt es um 1730 in Frankreich noch kein Abendessen, doch der Wirt zeigt Verständnis für unseren Hunger, serviert Tapas und zum Nachtisch Crepes.
Wir haben wieder viele neue Eindrücke von der Insel gewonnen. Das Paradies ist es auch nicht, aber ein schönes Fleckchen, das einen Besuch bestimmt wert ist.

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.