Inseltour

Mittwoch, 31. Januar 2018
St. Helena, Lummerland im Südatlantik? Als ich früh um 0630 aus der Luke schaue, erinnert mich die Insel eher an die Marquesas! Hoch und steil ragt neben dem Ankerplatz die Felswand aus dunklem Vulkangestein auf. Ständiger Schwell bewegt die Schiffe und die Berggipfel sind durch Wolken verhangen. Aber das Wasser ist glasklar und die Luft angenehm kühl. James vom Yachtservice holt die Schmutzwäsche ab und um 0800 kommt tatsächlich wie vereinbart das Wassertaxi und bringt uns zur Pier. Durch einen zur Zeit stattfindenden Kongress sind heute leider alle 17 Autos der Verleihfirma vermietet. Aber James organisiert uns einen Taxifahrer, der mit uns über die Insel fahren soll. Während wir auf ihn warten schauen wir uns in Jamestown um. Es gibt kaum Geschäfte, die Auslagen in den wenigen Schaufenstern sind dürftig, erinnern an alte DDR-Zeiten. Außer der Hauptstrasse sind die Strassen schmal, die Häuser klein und verwinkelt. Aber alles ist sehr sauber und die Menschen freundlich. Jeder lächelt und grüßt einen.
Wir fahren aus Jamestown hinaus und in Serpentinen den Berg hinauf. Bald bietet sich uns eine fantastische Aussicht über das Tal und die Stadt bis zum Meer. Wir wandeln auf Napoleons Spuren. Der erste Stopp ist „The Briars“, das kleine Haus, in dem Napoleon nach seiner Ankunft auf St. Helena am 17. Oktober 1815 zunächst für zwei Monate Gastfreundschaft genoss, da er sich weigerte in Jamestown zu wohnen, bis sein endgültiges Domizil, „Longwood House“ fertig restauriert war. Weiter geht es durch eine Landschaft mit üppigem Grün und immer wieder spektakulären Ausblicken. Wir kommen an „Signal House“ vorbei. Von diesem Gebäude hoch am Berg musste stündlich ein Kanonenschuss abgefeuert werden, der bedeutete, dass Napoleon auf der Insel gesehen worden war. Zur Grabstätte Napoleons, wo er nach seinem Tod im Alter von 52 Jahren,zunächst beerdigt worden war, führt ein Fußweg in ein idyllisches kleines Tal, an dessen Ende auf einer Rasenfläche das Grabmal ist. Erst im Oktober 1840, neunzehn Jahre nach seinem Tod, wurde er exhumiert und nach Paris gebracht, wo er dann im Invaliden-Dom noch mal beigesetzt wurde. In „Longwood House“ kann man das alte Mobiliar sehen und es liegt sogar ein Mantel von ihm aus.
Weiter geht die Tour hoch über die Insel. Überall grünt es, auf sanften Wiesen weidet Vieh. Wir sehen Palmen, riesige Farne, Hanf, Bananenbäume und in trockeneren Gebieten Olivenbäume. Im Garten von „Plantation House“, dem Wohnsitz der Gouverneurin, lebt Jonathan, eine Landschildkröte. Mit 186 Jahren ist er das älteste Lebewesen nicht nur auf St. Helena, sondern weltweit. Vorletzte Station ist „High Knoll Fort“, eine Festung hoch oben auf einem Berg. Zum Lunch geht es zu „Rosies“, einem erst 2017 neu eröffneten Restaurant. Der moderne Bau ist hell und freundlich und das Essen gut
Dann fehlt nur noch die Jacobsleiter, diese steile Treppe von Jamestown hinauf zur Oberstadt mit 699 Stufen. Gestern haben wir sie von unten schon angeschaut, jetzt stehen wir am oberen Ende. Keiner hat wirklich Lust in der Sonnenhitze den Auf- oder Abstieg zu machen. Aber wir gehen jeder ein paar Stufen hinunter und tun so, als ob wir völlig erschöpft oben ankommen würden. Die beste schauspielerische Leistung bietet Thomas. Würde man in dem Video nicht unser Gelächter hören, man könnte glatt meinen, er habe die 699 Stufen tatsächlich erklommen!
Unser Fahrer bringt uns noch bis zur Anlegestelle des Wassertaxis. Gekostet hat der Tagesausflug 15 St-Helena-Pfund pro Person. Es hat sich wirklich gelohnt!
Zurück an Bord ruft Arbeit auf TOUJOURS BELLE. Das Spi-Fall muss vom Masttop geholt werden. Mutig steigt Jasmin in den Bootsmannstuhl und lässt sich hochwinschen. Aber auf Höhe des Radars wird es ihr zu viel, sie kann sich bei dem Geschaukel kaum festhalten. Sie bricht ab, wird runter gelassen und Armin übernimmt. Auch er hat Mühe sich zu halten, aber er kann das Fall oben erreichen und Thomas ist glücklich, kann er doch jetzt wieder sein Vorwindsegel setzen! Während wir noch im Cockpit von TOUJOURS BELLE sitzen sehen wir einen großen Manta-Rochen träge vorbei gleiten. Seine Spannweite dürfte gut 2m sein.


2 Kommentare

  1. Liebe Nicole, lieber Armin,
    Glückwunsch zur Ankunft auf Ascension, hoffentlich hattet ihr eine schöne Überfahrt! Genießt den Aufenthalt dort – und wir freuen uns schon auf den Bericht.
    Liebe Grüße von euren Heiner und Hilde

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