Inseltour um Tahiti

Sonntag, 23. April 2017

Um 0700 sitzen wir vier schon im Auto und fahren nach Papeete rein. Dort ist zwar jeden Tag Markt, aber der Sonntagsmarkt soll besonders schön sein, und der geht leider von 0500 bis 0900! Wir finden einen Parkplatz in der Tiefgarage in Marktnähe und stürzen uns ins Gewimmel. Nicht nur in der Markthalle sind die Stände sondern auch in den Strassen darum herum. Ein Fest der Sinne! Augen, Ohren, Nase und wenn man möchte auch die Geschmacksnerven werden beansprucht. Farbenpracht überall! Blumenkränze für`s Haar, bunte, handbemalte Tücher sowie Obst und Gemüse in allen Farben gibt es zu bestaunen. An vielen Ständen dröhnt Musik aus überdimensionalen Boxen, die Händler sprechen uns freundlich an, geben Auskunft über die uns teilweise unbekannten Waren. Diverse Gerüche, am intensivsten im Bereich des Fischmarktes, ziehen uns in die Nasen.
Danach laufen wir zur Kathedrale von Papeete. Dieses Gebäude von 1875 gefällt uns wegen seiner fast modern anmutenden Architektur. Klare, schnörkellose Linien, einfache aber geschmackvolle Buntglasfenster und, im Gegensatz zu den prunkvollen und oft überladenen katholischen Kirchen in Europa, imponiert hier eine fast bescheidene Innengestaltung. Diese Kirche macht einen fröhlichen, leichten und einladenden Eindruck, sie hat nichts Pompöses, Einschüchterndes an sich. Und so ist auch der Gottesdienst, der gerade abgehalten wird. Alle Fenster und Türen stehen weit offen, manche Menschen kommen verspätet noch dazu, andere gehen wieder, eine Mutter kommt raus und stillt auf der Mauer neben der Kirche ihr Baby. Sie singt dabei die Kirchenlieder mit, überhaupt schallt der Gesang aller bis raus auf die Strasse.

Wir begeben uns auf Inseltour. Weit kommen wir allerdings zunächst nicht. Nach kurzem Stopp an einem Aussichtspunkt fahren wir durch einen Ort, in dem lauter Frauen in rosa Kleidern mit Spitzenkragen und Spitzen an Ärmeln und Saum sowie passenden weißen Hüten mit rosa Blüten der Kirche zustreben. Wir parken und gehen auf das Kirchengelände. Die Männer tragen rosa Hemden, die Kinder sind im Festtagsgewand. Einer erklärt uns, dass heute, so wie jeden dritten Sonntag im Monat, der Gottesdienst dieser protestantischen Gemeinde den Müttern gewidmet sei. Es würde auf tahitianisch gepredigt, aber wir dürften gerne da bleiben. Vor der Kirchentür kommt uns eine „rosa“ Dame entgegen. Sie begrüßt uns auf landesübliche Weise, nämlich schmatzendes Küsschen rechts und links, erklärt auf Englisch, dass sie der Kirchenvorstand sei und wir herzlich willkommen seien, am Gottesdienst teilzunehmen. Wir setzen uns in eine der hinteren Reihen und staunen. Auch diese Kirche ist schlicht, freundlich und einladend. Türen und Fenster sind weit geöffnet, ein kühler Wind zieht durch. Die festlich gekleideten Frauen und Männer lächeln uns freundlich an. Der Altar ist eher ein Podium hinter dem drei Frauen Platz nehmen, die den Gottesdienst leiten. Es gibt keine Gesangbücher. Die Texte der Predigt und der Lieder werden mittels eines (funktionierenden!) Beamers an die Wand projiziert und jeder kann mitlesen. Statt auf einer Orgel wird Gitarre oder Ukulele gespielt und alle singen laut und inbrünstig mit. Die Melodien sind fröhlich, schwungvoll und mitreißend. Die Gemeinde wiegt sich dazu im Takt. Auch wir werden davon angesteckt. Das ist Gänsehautfeeling. Mehrere Frauen in ihren rosa Kleidern und auch drei Männer halten kurze Ansprachen, deren Inhalt wir leider nicht verstehen. Aber die Gemeinde geht mit, manchmal antwortet sie und es wird immer wieder auch gelacht. Eine völlig andere Atmosphäre als wir sie kennen.

Wir fahren weiter. Tahiti hat die Form einer Sanduhr. Der nördliche, rundliche und größere Teil, Tahiti Niu, ist durch eine schmale, flache Landbrücke mit dem südlichen, ovalen und kleineren Teil, Tahiti Iti, verbunden. Beiden Inselteilen vorgelagert ist ein Riff mit mehreren Pässen. Dadurch ist die Küste ohne größere Wellen, was eine Bebauung bis ans Wasser möglich macht. Mal läuft die Strasse dicht am Ufer entlang, dann stehen Häuser und Gärten dran. Alles macht einen großzügigen, gepflegten und sauberen Eindruck. Üppiges Grün und Blütenpracht sieht man überall, Kokospalmen und Bananen säumen nicht nur die Strassen. Im Landesinneren wechseln Berge bis über 2000m Höhe und tiefe Taleinschnitte. Leider dürfen wir laut Vertrag des Autoverleihers die unbefestigten Schotterstrassen in die meisten Täler nicht fahren. Dazu hätten wir einen Wagen mit Allrad benötigt, den sie aber z. Zt. nicht haben! Alles ist grün, es wirkt nicht so bedrohlich und abweisend wie die schroffen Marquesas. Besonders auf Tahiti Iti erinnern die sanft ansteigenden Hügel mit grünen Wiesen und grasenden Kühen mehr an die Schweiz als an die Südsee. Wir biegen ab in ein schmales Tal, in dem drei Wasserfälle einen Bach speisen. Leider ist der kurze Fußweg dahin so uneben und rutschig, dass Nicole lieber im Auto bleibt. Das rechte Knie ist seit dem Fehltritt am Steg immer noch leicht geschwollen und jede schräge Belastung auf unebenem Boden schmerzt.
Mittags rasten wir in einem Strandlokal direkt am Wasser. Der Boden ist der Sand des Strandes, Tische und Stühle stehen leicht schief darauf, aber die lokale Küche ist hervorragend, auch wenn wir auf Grund der Cleverness der freundlichen Bedienung nicht das serviert bekommen, was wir bestellt haben! Statt rohem Tunfischfilet mit Gemüse bringt sie uns Tunfischtartar mit Pommes! Egal, es schmeckt auch dieses. Voller Eindrücke kommen wir in der Dämmerung wieder zurück. Im letzten Kreisel vor dem Hafen ist ein Gemüsestand. Melone, Pampelmuse, kleine Bananen und Lychees nehmen wir mit für einen Obstsalat morgen.

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