Wir haben den 5. Kontinent erreicht!

Donnerstag, 27. Juli 2017
Nach einer unruhigen Nacht mit Wind, der beständig Richtung und Stärke wechselt und zu fast stündlichen Segelmanövern zwingt, überqueren wir am Mittwochmorgen um 0912 die Ziellinie nach ARABELA, AURORA POLARIS und dem für uns nicht relevanten Katamaran HANNA. Die anschließende Fahrt durch die Hydrographers Passage ist nicht lustig. Es bläst uns mit bis 30kn teilweise direkt auf die Nase, dazu steht eine unangenehme Welle gegen uns. Anfangs muss Mr. Yanmar uns vorantreiben, dann können wir hart am Wind segeln. ASHIA bockt in der See, der Bug hebt sich immer wieder hoch hinaus, um dann runter auf`s Wasser zu krachen. Die Erschütterungen gehen durch das ganze Boot, es tut einem in der Seele weh, das zu spüren. Aber ASHIA steckt das weg, pflügt weiter voran. Etwas Glück haben wir dabei aber auch, die Strömung läuft mit uns und bringt 2kn Speed zusätzlich. Nach 40 NM ist das Schlimmste geschafft, wir können abfallen, die Welle wird weniger und wir segeln weitere 60 NM nach Mackay.
Um 2230 legen wir neben ARABELA und hinter AURORA POLARIS an der Tankstelle der Marina, die auch gleichzeitig als Quarantäne-Dock dient, an. Rally Control empfängt uns am Funk, darf aber nicht zu uns kommen. Auf dem mit Gittertor abgeschlossenen und mittels Videokameras überwachten Steg müssen wir warten, bis morgen früh ab 0700 Einwanderungsbehörde, Zoll und Quarantäne (Bio-Security) an Bord kommen. Wir sollen die Schiffe nicht verlassen, dürfen keinesfalls ein anderes Boot betreten. Nun, natürlich gehen wir von Bord, wir müssen ja schließlich festmachen. Von ASHIA gibt es zur Feier der Ankunft in Australien eine Flasche Wein, jeder bringt sein Glas mit und wir stoßen auf dem Steg zwischen Zapfsäulen unter der Video-Kamera an. Es reicht gerade für ein Glas für jeden von uns sechs. Doch dann fahren die beiden Russen auf! Sie haben noch ca. 100 Flaschen Wein gebunkert, Australien erlaubt aber nur die Einfuhr von 2,25 l pro Person! Andrey holt eine Flasche nach der anderen, dazu eine dicke Salami. Australien ist bezüglich der Einfuhr von Lebensmitteln noch strikter als Galapagos. Die Liste der verbotenen Dinge ist endlos! Wir haben alle noch einiges an Bord, das morgen bei der Kontrolle Probleme machen könnte. So wird eine echte Mitternachtsparty gefeiert. Käse, Chips, Nüsse, Eier, Wurst, jeder bringt, was weg muss! Und von ARABELA kommt eine Fasche Wein nach der anderen. Inzwischen sind auch TAKE OFF und TULLA MHOR angekommen, sechs weitere Personen, die helfen, den Wein zu vernichten! Wir schaffen es natürlich nicht, nachdem 13 leere Flaschen unter der Video-Kamera stehen, reicht es, wir beenden die Party.
Die Kopfschmerzen heute Morgen halten sich in Grenzen, aber grad schee wars! Man erreicht schließlich nicht so oft Australien auf eigenem Kiel! Später werden wir erfahren, dass Australien Border Control neidvoll die Reality-Show unseres verbotenen Treibens am Monitor verfolgt hat!
Um 0715 rückt eine ganze Brigade schwarz uniformierter Grenzbeamter an. Mit OWL und ALTAIR, die noch in der Nacht ankamen, sind sieben Boote abzufertigen. Es läuft alles professionell, zügig und sehr freundlich ab. Zuerst wird der Drogenspürhund (Sniffeldog) an Bord gehoben. Der schwarze Labrador trägt Lederschuhe an den Pfoten, um die Holzböden der Schiffe zu schonen. Er sucht ASHIA innen von vorne bis hinten ab. Im Salon setzt er sich hin. Das ist das Zeichen, dass er etwas gerochen hat. Nun wird jeder Schrank, jede Schublade, jede PC- und Fototasche und die Werkzeugkästen untersucht. Sogar die Bücher werden durchgeblättert. Natürlich finden sie nichts. Am Ende steht fest, dass es die diversen Putz- und Poliermittel im Bodenfach sind, die der Hund erschnüffelt hat. Dann fragen sie nach Alkohol. Ja, wir haben noch 10 Flaschen Wein an Bord. Unglaublich, aber das Bodenfach, in dem die Flaschen liegen, wird versiegelt! Wir dürfen es erst wieder öffnen, wenn wir im September Australien verlassen! Und es wird in Darwin noch mal kontrolliert! Unverständlich ist, dass auf ARABELA der Wein unversiegelt bleibt! Dafür werden bei ihnen alle Fotos, die sich auf PCs und Handys befinden, gesichtet. Einen Facebook-Eintrag, den sie geliked haben und der eine kritische Äußerung über Russland enthält, müssen sie löschen! Die beiden stellen fest, dass die Zensur in Australien offenbar schlimmer als in Russland ist!
Nicoles Befürchtung, dass der Umfang der mitgeführten Bordapotheke zu Problemen führen könnte, bestätigt sich nicht. Die Tatsache, dass sie Ärztin ist, genügt ihnen, die Kisten bleiben unbesehen. Wieder werden seitenweise Formulare ausgefüllt. Als letztes kommt der Mann von Bio-Security an Bord. Er untersucht die Hölzer der Schränke, fragt nach Souvenirs aus Holz. Wurst, Käse, Milch und Butter dürfen wir behalten, Obst und Gemüse ist eh gegessen, aber er kontrolliert jede einzelne Packung Pasta. Auf einem Boot wurde gerade „Leben“ in zwei Nudelpackungen gefunden. Am Ende gibt auch er sein okay und wir dürfen die gelbe Q-Flagge runter nehmen. Er versiegelt unsere Müllbeutel und nimmt sie mit von Bord. Um 1200 tanken wir noch und motoren zum Liegeplatz, wo Galen unsere Leinen annimmt.
HANNA ist gestern Abend nicht in den Hafen eingelaufen, sondern in der Bucht einer kleinen, am Weg liegenden Insel vor Anker gegangen. Das wurde von Australien Border Control sofort bemerkt. Stefanos Versuche, Thomas über Funk zu erreichen, waren erfolglos. Dass in der Bucht auch einheimische Boote ankern, macht die Sache verdächtig! Jetzt liegen sie am Fuel-Dock und werden seit vier Stunden gefilzt!
Kurz darauf kommt Andy an Bord. Er ist unabhängiger Unternehmensberater und von Andrew Bishop engagiert, um in Gesprächen sowohl mit den Yellow Shirts als auch den WorldARC-Teilnehmern herauszufinden, warum zunehmend mehr Teilnehmer im Laufe der Rally aussteigen. Außerdem haben wohl die diversen Unzufriedenheits-Emails, die einige inzwischen nach Cowes in die Zentrale geschickt haben, Wirkung gezeigt. Wir sprechen über die Gründe für die Teilnahme, unsere Erwartungen und die Realität. Es wäre schön, wenn der Service auf der zweiten Hälfte der Rally besser werden würde. Seit Mindy und Galen dabei sind, hat sich ja schon deutlich was zum Besseren gewendet.
Danach bekommt ASHIA endlich ihre verdiente Süßwasserdusche. Die Salzkrusten werden abgeweicht. Unsere Nationalflagge am Heck weist seltsame, wie eingeätze Flecken auf. Es handelt sich offensichtlich um den Blas eines Wals (Wal-Rotz)! Er muss nachts unbemerkt dicht an uns vorbei geschwommen sein. Die Flecken lassen sich nicht auswaschen, zum Glück gibt es eine Ersatzflagge an Bord!

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