Die Suche nach der Schwarzwälder Kirschtorte

Freitag, 19. Januar 2018
Wieder ist es morgens so nebelig, dass wir das nahe Ufer nicht erkennen können. Dieses Wetter hat nur den Vorteil, dass es ohne Wind auch keine Wellen gibt. Nach dem Frühstück füllen wir 3 der 25-Liter-Kanister in den Tank. Dann fahren Thomas und Armin mit den leeren Kanistern an Land. Thomas hat außerdem die neue Batterie dabei. Sie hat bei Anlieferung nur 10.1 Volt gezeigt und ließ sich nicht richtig aufladen, wahrscheinlich ist sie zu lange gelagert. Der Motor springt jedenfalls heute mit dieser Batterie nicht an. Zusammen geben sie die Batterie im Shop wieder ab. Am Nachmittag soll Thomas eine neue, geladene AGM bekommen. Danach werden die Kanister an der Tankstelle gefüllt.
Mittags starten wir dann zu viert in Richtung Swakopmund, das zwischen Meer und Wüste nördlich von Walvis Bay liegt. Doch zunächst fahren wir durch Walvis Bay. Die Stadt ist großzügig bebaut, die Strassen breit, die Kreisel, im Gegensatz zu unseren „schwäbischen Sparkreiseln“ riesig! Die Häuser sind modern und bunt. Fast alle sind zwar eingezäunt oder von Mauern umgeben, aber kaum eines ist vergittert oder hat Elektro- oder Stacheldrahtzaun oben drauf. Die Stadt ist sauber. Selbst in den Randbezirken, in und um die Town Ships sehen wir kaum Müll. Die Häuser der Town Ships sind alle gleich, kleine quadratische gemauerte Behausungen, aber sie stehen mit Abstand zueinander, die Flächen dazwischen sind sauber, einige Grundstücke sind eingezäunt. Und alle Strassen sind asphaltiert! Walvis Bay hat den größten Tiefseehafen hier an der Küste. In Hafennähe finden wir Niederlassungen fast aller namhaften Speditionen.
Auf schnurgerader Asphaltpiste geht es gut 30 km zwischen Meer und Wüste entlang. Zu beiden Seiten der Strasse sind anfangs in kurzen Abständen Palmen gepflanzt, es liegt sogar ein Bewässerungssystem. Eine kilometerlange Palmenallee! Wir fahren durch einen gigantischen Sandkasten, den Rand der Wüste Namib. An der Küste befinden sich einige moderne (Ferien-) Siedlungen.
Swakopmund selbst ist wie Walvis Bay, großzügig und sauber. Und sehr deutsch! Überall sehen wir deutsche Straßennamen, Häuser haben deutsche Namen. Von mehreren Seiten haben wir gehört, dass es hier eine deutsche Bäckerei geben soll, die eine sehr gute Schwarzwälder Kirschtorte hat. Nun, laut Internet gibt es drei deutsche Bäckereien, die SKT herstellen. Die erste, die wir anfahren, hat geschlossen, eine Angestellte zeigt uns aber den Weg zur Filiale. Dort können wir zwar gutes Brot, „Schweinsohren“ und selbstgemachtes Marzipan kaufen, aber SKT ist heute leider nicht im Angebot. Im Museums-Cafe gibt es heute auch keine. Wir sind inzwischen hungrig und gehen an der Strandpromenade zum verspäteten Mittagessen. Es ist hier wie in einem deutschen Ostseebad, nur viel großzügiger. Überall hört man Deutsch, von den Gästen und von den (auch schwarzen)Kellnerinnen und Kellnern.
Das Cafe Anton, unsere letzte Hoffnung, liegt nur um die Ecke, wir laufen hin. Zunächst steigen wir aber die Stufen zum Leuchtturm hinauf. Oben treffen wir auf den namibischen Lehrer einer der deutschen Schulen. Er unterrichtet Deutsch und Mathe. Es gibt mehrere deutsche und englische Schulen hier. Die Kinder lernen beide Sprachen und außerdem Afrikaans. Wir unterhalten uns über seine Arbeit. Im August war er mit einer Gruppe Kinder zwischen 12 und 13 zu einem Fußballaustausch in Deutschland. Sie haben in Stuttgart und München gespielt, und natürlich Porsche, Daimler, die Wilhelma und das Deutsche Museum besucht.Anschließend stand noch Salzburg auf dem Programm. Er zeigt uns einen Zettel mit ihrer nächsten Einladung nach Deutschland. Natürlich möchte er eine Spende, in Euro wenn möglich! Wir geben gerne für einen guten Zweck.
Im Cafe Anton dann gibt es endlich die begehrte SKT. Doch was für eine Enttäuschung, sie ist nichtvergleichbar mit der zuhause! Thomas erhält Nachricht, dass die Batterie bis 1700 abgeholt werden muss, sonst bekommt er sie erst am Montag. Also fahren wir zurück.
Es ist kühl heute. Wir alle sind in T-Shirts und kurzen Hosen viel zu dünn angezogen, die Sonne mag nicht zwischen den Wolken durchkommen. Unsere Dingis sind am Schwimmsteg des Restaurantschiffs CYNTHIA fest gemacht. Mit der Wirtin ist vereinbart, dass wir um 1800 zum Abendessen kommen. Die Zeit reicht nicht, um zum Schiff zu fahren und sich umzuziehen. Die Boote liegen weit draußen und wir scheuen die nasse Fahrt. Aber wir finden eine Mall! Kleidung ist hier so preisgünstig, dass wir uns lange Hosen und Pullis kaufen. Umgerechnet 8 Euro für eine ordentliche und gut sitzende Herrenhose ist nun wirklich nicht teuer!
Pünktlich treffen wir im Lokal ein. Wir sind die einzigen Gäste heute Abend und Cynthia, die Chefin, gesellt sich zu uns und erzählt von der Entstehung des Restaurantschiffs und aus ihrem Leben. Sie kann sehr gut deutsch, zuhause wird nur deutsch mit den Kindern gesprochen, die zwei ältesten absolvieren ihre Ausbildung in Deutschland. Das Essen ist sehr gut, die Atmosphäre schön, können wir nur empfehlen! (www.cruise.na)
Im Dunklen geht es dann zurück zu den Booten. Nebel zieht auf, es ist feucht und ungemütlich. Sommer in Namibia?










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