Ein verlorener Tag

Montag, 29. Mai 2017, bzw. Dienstag, 30. Mai 2017

Unser Vorwindkurs hat uns etwas zu weit nach Norden geblasen. In der Morgendämmerung wechseln wir vom Amel-System auf die weißen Segel, können anluven und jetzt auf Halbwindkurs Tonga direkt anlaufen. Das Königreich Tonga besteht aus drei großen Inselgruppen, deren nördlichste, die Vava`u Gruppe mit dem Hauptort Neiafu, unser Ziel ist.
Mit Erreichen von Tonga überqueren wir die Datumsgrenze. Diese verläuft eigentlich auf dem 180sten Längengrad. Tonga liegt aber noch östlich davon. Damit die Tonganer nicht die letzten sind, die jeden neuen Tag und besonders das neue Jahr begrüßen dürfen, wurde die Datumsgrenze nach Osten ausgebeult und damit befindet sich Tonga jetzt unmittelbar westlich der Grenze und darf als erster Staat der Welt den Tag begrüßen und, wie jeder weiß, der an Silvester den Fernseher einschaltet, auch als erster Staat die Silvesterraketen abfeuern. Offiziell begeben wir uns von UTC minus 10 auf UTC plus 13! Für uns bedeutet das, wir erreichen Vava`u am Montagabend, 29.5. um 19:30 nach BoraBora-Zeit, und müssen die Uhren umstellen auf Dienstagabend, 30.5. um 18:30! Wir haben also einen Tag „verloren“ und sind ab jetzt euch zuhause immer voraus!
Wir nähern uns am Spätnachmittag der Vava`u Guppe, die aus über 50 bewaldeten Inseln und Inselchen besteht. Von See her sehen die Inseln aus, als hätte man mit der Heckenschere alles Land auf 50 bis 100m Höhe flach gekappt. Felsige, bewaldete Steilküsten steigen an zu flachen Ebenen. Durch den Ave Pulepulekai Channel, einen langen fjordähnlichen Kanal motoren wir auf Neiafu zu. Die Bucht „Puerto del Refugio“ (Hafen der Zuflucht) verdient diesen Namen. Rundum durch Inseln geschützt liegt man vollkommen ruhig und ohne Schwell. Im letzten Tageslicht finden wir eine freie Boje und machen fest. Außer diversen Tierstimmen und dem lauten Zirpen der Grillen an Land ist kaum ein Laut zu hören. Was für eine Ruhe nach Tagen mit Windheulen, Wassergurgeln und immer wieder Generator- oder Motorenlärm. Wir genießen die letzte Flasche „Tahiti-Drink“ (Fruchtsaft mit etwas Alkohol) im Mondschein.

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