Mit der Knutschkugel durch Reunion

Dienstag, 31. Oktober 2017
Auf der Autobahn, der Route du Littoral, geht es Richtung Norden. Vor St. Denis wird die Nouvelle Route du Littoral ins Meer gebaut. Diese neue Autobahn um die Inselhauptstadt, die über 5km auf Stelzen im Wasser verlaufen wird, ist das derzeit größte Infrastrukturprojekt Europas (ca 1,6 Mrd. Euro!) und soll den Verkehrskollaps um St. Denis beenden. Unser erster Halt ist in der Vanilleraie bei Ste. Suzanne. Von hier kommt die Bourbon-Vanille, die beste und teuerste Vanille weltweit. Nach einer einstündigen Führung ist uns klar, warum der Preis für echte Vanilleschoten so hoch ist. Es ist alles mühevolle Handarbeit! Eine Vanillepflanze trägt erst nach 3 Jahren ein paar wenige Blüten, nach 5 Jahren erfolgt erstmals die Bestäubung per Hand. Ein guter Vanillegärtner bestäubt 300 Blüten in einer Stunde! Es dauert 9 Monate bis die grünen Vanilleschoten geerntet werden können. In großen geflochtenen Körben werden die Schoten für 3 Minuten in 65° heißes Wasser getunkt. Danach sind sie bräunlich. Sie müssen einen langen und komplizierten Trocknungsprozess durchlaufen und werden mehrmals per Hand sortiert. Schoten, die nicht den Qualitätskriterien entsprechen, werden zermahlen, für Pulver oder Öl verwendet. Nur die einwandfreien Schoten, dunkelbraun, flexibel, zwischen den Fingern rollbar und mit einem Öltröpfchen am Ende, werden nach Größe vermessen und gebündelt und in großen Holzkisten aufgehoben. So bleiben sie feucht und länger haltbar. In Glasröhrchen sind einzelne Schoten bis zu 3 Jahren haltbar. Zur Zeit kostet 1 Kilo der Bourbon-Vanille von Reunion 1000 Euro!
 Weiter geht es nach St. Andre und dann in die Berge hinein. Über den Ort Salazie fahren wir in ein Gebiet erloschener Vulkane. Die gut ausgebaute Strasse windet sich in unzähligen Serpentinen die Vulkanhänge hinauf und dann an der Innenseite wieder die steilen Kraterwände hinab. Atemberaubende Aussichten in tiefe Schluchten tun sich auf, Wasserfälle stürzen die Felswände runter, einmal führt die Strasse unter einem kleinen Fall hindurch, kostenlose Autowäsche erfolgt. Auf fast jedem Plateau befindet sich ein kleiner Ort. Es ist sauber, die massiven Häuser sind teils in Pastellfarben gestrichen, die Gärten voller Blumen. Immer weiter führt die Strasse in den Cirque de Salazie hinein. Die Vegetation ist üppig, das Klima mild, selbst in über 1000m Höhe wachsen noch Bananen am Straßenrand und es stehen Gewächshäuser. Wolken ziehen auf, dann liegen die Gipfel im Nebel. Am Ende einer Strasse stoßen wir auf eine Gruppe junger Leute, die gerade vom Canoeing in einer Schlucht zurück sind. Eine andere Strasse endet hoch am Grat zwischen zwei Vulkankegeln . Hier sind die Wolken so dicht, dass man leider keine Aussicht hat und es regnet. Erst am Spätnachmittag kommen wir wieder zurück an die Küste.
Abends findet eine Halloween-Party im La Dodo Gourmand Restaurant im Hafen statt. Einige der Seglertruppe sind wirklich toll kostümiert. Leider gestaltet sich der Abend etwas schwierig! Die Live-Musik der kleinen Band ist zwar prinzipiell gut, die Sängerin hat auch eine tolle Stimme, aber der Verstärker ist so aufgedreht, dass es teilweise nur noch klirrt und eine Unterhaltung unmöglich ist. Bis wir unser Essen bekommen ist es 2230, das Kängurusteak ist erst blutig, dann halb verkohlt. Aber wir sitzen mit ARABELA und CESARINA zusammen und machen das Beste daraus, obwohl die Lautstärke manchmal schmerzhaft ist.

4 Kommentare

  1. Hallo, Ihr beiden Lieben,
    da hatte ich doch vergessen, dass es noch ein Paradies zwischen Mauritius und Afrika gibt – genießt es, auch wenn es mit der cuisine francaise nicht immer so klappt! Liebe Grüße Hilde

  2. Hallo meine Lieben,
    habe gerade die fantastischen ausführlichen Berichte gelesen.
    Da steckt ja irrsinnig viel Arbeit drin. Bin voll begeistert
    Alles Liebe😊😘

  3. „Musik wird störend oft empfunden, dieweil sie mit Geräusch verbunden“
    (Wilhelm Busch).
    Leider musstet ihr diese unnötige Erfahrung machen 😖

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