Weiter Richtung Kapstadt

Mittwoch, 29. November, bis Freitag, 1. Dezember 2017
Mittwochmorgen wird im Marinabüro der „Flightplan“ abgegeben, ohne den Port Control keine Freigabe zum Auslaufen erteilt. David, der Marinero, hilft beim Ablegen, beide Boote müssen aus ihrer spinnwebenartigen Vertäuung gelöst werden. Im Vorhafen werden Fender und Leinen verstaut und um 1015 motoren TOUJOURS BELLE und ASHIA aus dem Hafen mit Ziel Mozzle Bay. Die kleine Stadt wollen wir bis zum nächsten Mittag erreichen. Das Wetter passt, der Wind ist mäßig, mal reicht er zum Segeln, mal muss Mr. Yanmar mit schieben. Am Donnerstag, als wir noch 16 SM von Mozzle Bay entfernt sind, beschließen Thomas und Armin nach Studium der Wettermeldungen, dass wir weiter segeln bis Simons Bay. Dort soll es eine Möglichkeit geben, ASHIA aus dem Wasser zu holen, denn inzwischen wird das Öl des Amelantriebs immer milchiger. Also noch mal ca. 28 Stunden weiter zu fahren. Freitagmittag, noch 50 SM vor Simons Bay, telefoniert Armin mit der Marina und erfährt, dass ASHIA doch zu groß und schwer für den dortigen Kran ist. Wieder wird kurz über Funk beraten und dann drehen wir ab und laufen Kapstadt direkt an. Der Indische Ozean fordert dann auf den letzten Meilen doch noch sein Opfer! Nicole begeht abends den fatalen Fehler den Niedergang vorwärts runter zu gehen ohne sich festzuhalten. Das macht sie sonst nie! Diesmal hat sie auch noch Öl und Ketchup in der Hand. Eine Welle lässt ASHIA zur Seite kippen, Nicole verfehlt die nächste Stufe und stürzt gut ½ m in die Tiefe auf den Stuhl vor dem Navipult und mit dem Kopf gegen die Wand. Das Ergebnis ist eine schmerzhafte Rippenprellung und eine lange Platzwunde unter dem linken Auge durch die Brille. Aber die beiden Flaschen (und die Brille) sind ganz geblieben! Vor dem Spiegel, nach Nicoles Anweisung, versorgt Armin die leicht klaffende Wunde sauber mit Klammerpflastern. Diese Narbe wird auf ewig an den Indik erinnern (und an die eigene Dummheit!).
Wir motoren immer wieder, um im Zeitfenster zu bleiben bevor das Wetter umschlägt. Inzwischen muss Armin alle paar Stunden aus dem Ausgleichgefäß etwas vom Öl-Wasser-Gemisch absaugen, da es sonst überläuft. Wir stellen fest, dass bei langsamer Motorfahrt mehr Meerwasser eindringt als bei schneller Fahrt. Also geht es mit 8 kn Richtung Kapstadt.
Am Freitagmorgen umrunden wir das Kap Aghulas, die südlichste Spitze Afrikas und damit haben wir auch den tiefsten Punkt unserer Reise erreicht (34°56,6`S, 019°59,2`E am 1.Dez. um 0648 UTC). Hier treffen Indik und Südatlantik aufeinander. Wir lassen den dritten großen Ozean endlich hinter uns!
Kaum schwimmt ASHIA im Atlantik wird das Wasser ruhiger, der Wind gleichmäßiger und es beginnt ein herrlicher Segeltag. Unter Genaker, Groß und Besan zieht ASHIA mit ruhigen angenehmen Bewegungen Meile für Meile durch`s Wasser. TOUJOURS BELLE folgt in kurzem Abstand. Das Kap der Guten Hoffnung, früher auch Kap der Stürme genannt, passieren wir mit dem Sonnenuntergang. Nahe der Küste motoren wir dann die letzten Meilen in der Dunkelheit. Die Lichter an Land leuchten in orange und weiß und erinnern an goldene und silberne Weihnachtsbeleuchtung. Um den Tafelberg pfeift der Wind mehrmals mit bis 30 kn aus den Taleinschnitten, kurz darauf herrscht wieder Flaute, Gegen 2300 melden wir uns bei Cape Town Port Control und erhalten die Genehmigung, in den Hafen einzulaufen. Wieder mal haben wir es geschafft, nachts in einem unbekannten Hafen anzukommen! Die V & A Waterfront Marina befindet sich mitten in der Stadt, zwei Brücken werden für uns geöffnet und um Mitternacht liegen wir dann endlich am reservierten Platz an einem soliden Steg. Jasmin und Thomas kommen noch auf einen Anleger zu uns an Bord, wir feiern die erfolgreiche Überfahrt. Um 0200 geht es in die Kojen, Nicole spürt nichts von der Wunde, nur die Rippenprellung ist sehr unangenehm. Aber, „Nur Aua macht schlauer!“, man geht einen Niedergang nicht vorwärts hinunter!

3 Kommentare

  1. Wie gut ist es, dass ihr eine Ärztin und einen begabten Krankenpfleger an Bord habt! Aber ernsthaft: Glück im Unglück hast du wohl gehabt, liebe Nicole! Wir wünschen dir schnelle Genesung bei wenig Schmerzen! 🤕

  2. Ihr Lieben,
    schön, dass ihr einigermaßen heil in Kapstadt angekommen seid! Liebe Nicole, alles wird heilen und nicht mehr weh tun (wir sprechen aus Erfahrung…) – und es war doch auch Glück dabei! Liliane und Paul von der LunaBlu haben wir in Las Palmas und auf La Palma jeweils nur kurz getroffen, Gruß an die beiden!
    Wir wünschen euch eine genussvolle Zeit in Südafrika und freuen uns schon auf eure Berichte.
    Liebe Grüße von Heiner und Hilde

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